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US-Aufsicht CFTC verschärft Regeln für Prognosemärkte nach Kongressanhörung

28. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
US-Aufsicht CFTC verschärft Regeln für Prognosemärkte nach Kongressanhörung

Die CFTC hat eine Richtlinie für Prognosemärkte erlassen, um die Einhaltung von Kernprinzipien zu erzwingen. Ein Personalabbau von 20 % seit 2011 erschwert jedoch die staatliche Aufsicht erheblich.

In den USA braut sich ein Sturm über den sogenannten Prognosemärkten zusammen, bei denen Teilnehmer auf den Ausgang von Ereignissen wetten können. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat am vergangenen Freitag ein sechsseitiges Memo veröffentlicht, das die Zügel für die Betreiber solcher Plattformen deutlich anzieht. Duncan Hennes, der amtierende Direktor der Abteilung für Marktaufsicht (DMO), macht darin unmissverständlich klar, dass die bisherige Praxis der Selbst-Zertifizierung neuer Kontrakte oft nicht den gesetzlichen Mindestanforderungen entspricht. Die Behörde reagiert damit unmittelbar auf eine Anhörung eines Unterausschusses des Repräsentantenhauses, bei der die Grenzen zwischen Finanzprodukten und klassischem Glücksspiel heftig debattiert wurden.

Das Kernproblem liegt in der Art und Weise, wie Anbieter neue Wettmärkte anmelden. Laut Hennes gibt es einen Trend, universelle Vorlagen für ganz unterschiedliche Märkte einzureichen. Diese verwenden jedoch oft völlig verschiedene Quellen für die Abrechnung, was eine detaillierte Prüfung durch die Aufsicht fast unmöglich macht. Wenn die Datenquellen und die Methodik zur Feststellung des Ergebnisses unklar sind, leidet nicht nur die Aufsicht, sondern auch der Schutz der Marktteilnehmer. Die CFTC pocht nun auf die strikte Einhaltung der rund zwei Dutzend Kernprinzipien des Commodity Exchange Act, die unter anderem faire Handelsbedingungen und Schutz vor Marktmanipulation vorschreiben.

Zahlen und Fakten

Die personelle Situation der CFTC ist ein kritischer Faktor in diesem regulatorischen Tauziehen. Robert Schwartz, ehemaliger General Counsel der Behörde, wies darauf hin, dass die Belegschaft seit seiner Dienstzeit zwischen Oktober 2011 und Januar 2025 um etwa 20 Prozent geschrumpft ist. Trotz dieser Ressourcenknappheit muss die Behörde neue Finanzprodukte kontrollieren, die immer häufiger in den Bereich des Sports und der Politik vordringen. Chris Cylke, Vizepräsident der American Gaming Association, forderte den Kongress auf, die Selbst-Zertifizierung von Verträgen auf Sport- oder Casino-Ereignisse komplett zu unterbinden. Er argumentiert, dass diese Märkte nicht dieselben hohen Integritätsstandards erfüllen wie staatlich lizenzierte Sportwettenanbieter.

Ein weiterer interessanter Aspekt sind die Quoten auf den Prognosemärkten selbst. Auf der Plattform Kalshi wurde am Montagabend eine Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent gehandelt, dass der US-Senat noch vor der Sommerpause am 7. August über ein wichtiges Gesetz zur Kryptomarkt-Struktur abstimmt. Die Chance, dass dieses Gesetz bis zum 1. Dezember tatsächlich in Kraft tritt, wurde mit 44 Prozent bewertet. Diese Zahlen zeigen, wie eng verwoben Prognosemärkte und politische Realität mittlerweile sind, was die Sorge vor Manipulationen bei Verträgen, die von einzelnen Personen abhängen, weiter befeuert.

Hintergrund

Der Streit dreht sich vor allem um die Frage, ob die Selbst-Zertifizierung ein Freibrief für die Anbieter ist. Carl Kennedy von der Kanzlei Katten Muchin Rosenman LLP widersprach dieser Sichtweise während der Anhörung vehement. Die CFTC hat nach der Listung eines Kontrakts zehn Tage Zeit, eine Prüfung im öffentlichen Interesse einzuleiten. Diese Überprüfung dauert 90 Tage und kann dazu führen, dass ein Vertrag komplett untersagt wird, wenn er den Standards nicht entspricht.

„Das ist kein Schlupfloch. Das ist eine aktive Aufsicht mit echten Zähnen." - Carl Kennedy, Co-Vorsitzender der Praxis für Finanzmärkte und Regulierung bei Katten Muchin Rosenman LLP

Kennedy verglich das System mit dem Goldmarkt. Gold könne man beim lokalen Händler nach Landesrecht kaufen, als Futures an der CFTC-Börse handeln oder als ETF unter Aufsicht der SEC erwerben. Drei verschiedene Systeme für denselben Basiswert funktionierten seit Jahrzehnten problemlos nebeneinander. Kritiker wie David Bean von der Indian Gaming Association sehen das anders. Er befürchtet, dass geplante Gesetzesvorhaben wie der Clarity Act Tür und Tor für illegale Aktivitäten im Sportwetten- und Gaming-Bereich öffnen könnten.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist die US-Debatte ein Signal für die globale Verschärfung der Regeln bei grenzwertigen Glücksspielprodukten. In Deutschland ist die Rechtslage durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) sehr klar definiert. Wer hierzulande Wetten oder casinoähnliche Prognosen anbietet, benötigt eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Deutsche Nutzer sollten sich bewusst sein, dass Plattformen ohne GGL-Lizenz in der Bundesrepublik illegal sind. In den USA wird gerade diskutiert, was bei uns durch das 1 Euro Einsatzlimit pro Spin und das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro bereits streng kontrolliert wird: die Sicherheit des Spielers und die Integrität des Marktes.

Deutsche Spieler profitieren massiv von Systemen wie LUGAS, die eine übergreifende Überwachung der Limits garantieren. Prognosemärkte, die als Finanzprodukt getarnt sind, könnten versuchen, diese Spielerschutzmaßnahmen zu umgehen. Da die CFTC in den USA nun verstärkt auf Einzelfallprüfungen setzt, insbesondere bei Wetten auf einzelne Personen, zeigt dies, dass der Schutz vor Manipulation weltweit oberste Priorität gewinnt. Wer in Deutschland sicher spielen will, sollte ausschließlich Anbieter von der offiziellen Whitelist der GGL nutzen, da nur dort die strengen deutschen Jugendschutz- und Präventionsstandards gelten.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz in Deutschland unterstreicht die US-Entwicklung den Wert eines regulierten Marktes. Während in den USA noch um die Definition von Sportwetten-Äquivalenten gestritten wird, bietet der deutsche Rechtsrahmen Planungssicherheit. Die GGL überwacht streng, dass keine Wetten auf Ereignisse stattfinden, die leicht manipulierbar sind oder den Jugendschutz gefährden. Das Beispiel der CFTC zeigt, dass Aufsichtsbehörden weltweit unterbesetzt sein können, aber durch Partnerschaften und klare Kernprinzipien dennoch eine „Heilwirkung" auf den Markt ausüben. Für deutsche Casinos bedeutet dies, dass die Konkurrenz durch graue Märkte, die sich als „Event-Märkte" tarnen, zunehmend unter den Fokus internationaler Regulierer gerät, was den legalen Standort Deutschland langfristig stärkt.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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